Konzert
von Chor und Jugendorchester der Musik- und Kunstschule
Jena am 17. April 2011
Veranstalter: Freundeskreis der MKS Jena
"Herkömmlich" war das Konzert sicher nicht, das am 17. April 2011 im
Jenaer Volksbad zu hören war.
Das Jugendorchester der Musik-und Kunstschule Jena mit seinem Dirigenten
Martin Lentz, ein Chor und Solisten aus Weimar und Jena
hatten ein eher undenkbares Programm zusammengestellt:
Der
erste "Einschub", nach dem Gloria war die "Dunkle Prophezeiung", die
sich mit dem Tod und mit dem Umgang des Menschen mit ihm auseinandersetzt.
Ein Alterswerk eines weniger bekannten Komponisten vielleicht? Keineswegs!
Das Stück stammt von Friedrich Busch, 19 Jahre und langjähriger
Violinist beim Jugendorchester, und erlebte an diesem Abend seine
Uraufführung! Im Übrigen ein durchaus virtuoses Werk, das sich der
Violinist selbst - und dem Orchester - sicher auf den Leib
geschrieben hat, das sowohl inhaltlich als auch technisch aber alles
andere als "leicht" ist.
Franz Schubert: Messe G-Dur für Soli, Chor und Orchester
Friedrich Busch:
"Dunkle Prophezeiung" für Violine Solo und Orchester
Martin Lenz: Ostergebet
Berthold Hummel: Adagio für Streicher (in memoriam Benjamin Britten)

Martin Lenz - langjähriger Chefdirigent des JO
Die
G-Dur-Messe hat
Franz Schubert mit 18 Jahren (!),
also im Alter vieler Musiker des JO, innerhalb nur einer
Woche, wahrscheinlich als Auftragswerk, komponiert. Sie zählt zu Schuberts wohl bekanntesten
kirchenmusikalischen Kompositionen. Anders als manche
großen Konzertmessen ist sie eher für eine kleine
Besetzung gedacht und somit für das Jugendorchester
ideal geeignet.
Eine Messe mit ein paar Füllstücken danach, damit das
Programm nicht zu kurz wird? Das mag man sich vielleicht
noch vorstellen.
Aber eine Messe von Franz Schubert nach dem Gloria, dem
Credo und dem Benedictus von gleich drei modernen (!)
Stücken zu durchbrechen - da gehört schon Mut
dazu. Martin Lenz und das Jugendorchester der MKS Jena,
unterstützt von den Solisten Marleen Mauch und Marcel
Holzapfel (Weimar) sowie Martin Kirmse (Jena) als Sänger, Friedrich Busch
(Jena) als Soloviolinist und ein Chor haben das Experiment dennoch gewagt -
und gewonnen.

Martin Kirmse (Bass), Marcel Holzapfel (Tenor) und Marleen Mauch
(Sopran) sangen die Solopartien.

Zum Schluss: Verdienter stürmischer Beifall, für den sich das Orchester und der Violionist mit einer kleinen Zugabe bedankten.

Friedrich Busch - Soloviolinist und Komponist der "Dunklen
Bedrohung".
An das Credo schloss sich ein Ostergebet an, ein ebenfalls
durchaus
modernes Stück, das der Dirigent Martin Lenz selbst
beigetragen
hat. Im Programmheft schreibt er dazu: "Ich hatte mich
gefreut, als vor zwei Wochen aus dem Orchester die Idee an
mich herangetragen wurde, doch auch einen eigenen
musikalischen Kommentar... zu komponieren....In Gedanken
wälzte ich verschiedene Ansätze hin und her... bis ich
endlich eine für mich schlüssige Lösung fand: Im Vorwort der
Partitur...schreibt der Herausgeber Franz Beyer, ''dass
Schubert liturgische Messtexte überraschen frei behandelt
hat". So nahm ich mir also für mich wichtige Bibelzitate...
um sie zu einen Ostergebet zu vereinen
Auch das
Adagio für Streicher von
Berthold Hummel - nach dem Benedictus eingeschoben - kreist um das Thema Tod.
Es entstand 1976, unmittelbar nachdem Hummel vom Ableben des
englischen Komponisten Benjamin Britten erfahren hatte.
Ein wirklich tolles Konzert - das laut Programmheft
"eigentlich aus einer Not heraus geboren wurde". Eine ursprünglich geplante Austauschreise
nach Rumänien musste
kurzfristig abgesagt werden, nachdem bereits mit den Proben
bekommen worden war. Man kann von Glück sprechen, dass
Dirigent und Orchester die Flucht nach vorn gewagt haben.
Wir als Freundeskreis freuen uns, die Rahmenbedingungen für
die Durchführung schaffen geholfen zu haben.
Text und Gestaltung: M. Basler, Fotos: G. Dubslaff
/ Freundeskreis der MKS Jena